Ein Brett- oder Familienspiel mit Stülpdeckelschachtel, Spielplan, Karten, Anleitung und mehreren Beuteln Kleinteile braucht in der Handkonfektionierung je nach Umfang drei bis fünf Minuten Arbeitszeit und kostet damit 2026 meist 0,90 € bis 2,50 € je Spiel (Richtwert – Angebot nach Anfrage und Muster). Der Ablauf gliedert sich in sechs Stationen – vom Aufrichten der Schachtel bis zum Versandkarton. Die meisten Verzögerungen entstehen nicht an diesen Stationen, sondern vorher: bei Sprachversionen, verspäteten Kleinteilen und unklaren Stücklisten. Wie ein Spieleverlag diese Fehler vermeidet, zeigt dieser Beitrag an einem konkreten Beispiel.
Welche Komponenten kommen bei einem Spiel zusammen?
Ein Spieleverlag aus Oberfranken lässt ein Strategiespiel für zwei bis vier Personen in einer Auflage von 10.000 Stück konfektionieren. Die Komponenten stammen aus vier Quellen:
- Verpackungshersteller: Boden und Stülpdeckel, flach angeliefert, dazu ein Kartoninlay mit Fächern.
- Druckerei: Spielplan (gefaltet), zwei Spielertableaus, ein Kartensatz mit 110 Karten, Anleitung in zwei Sprachen.
- Spritzgießer: 48 Spielsteine in vier Farben, zwei Kartenhalter zum Zusammenstecken.
- Zubehörlieferant: zwei Würfelsorten, Marker, Holzchips; PE-Beutel beschaffen wir.
Insgesamt sind das neun Positionen, die gezählt werden müssen, und zehn Einlagen oder Beutel, die ihren Platz in der Schachtel finden. Was die einzelnen Begriffe bedeuten, erklärt der Lexikon-Eintrag Stülpdeckelschachtel.
Wie läuft die Konfektionierung eines Spiels Station für Station ab?
Jede Station übernimmt eine klar umrissene Aufgabe. Die Arbeitsanweisung mit Fotos steht dort am Bildschirm, seit 2019 ausschließlich elektronisch. Die Zeiten entsprechen unseren Vorgabewerten je Handgriff:
| Station | Tätigkeit | Handgriffe | Sekunden je Spiel |
|---|---|---|---|
| 1 | Boden und Stülpdeckel von Hand aufrichten | 2 × 10 s | 20 |
| 2 | Spielsteine je Farbe, Würfel, Marker, Chips abzählen | 9 × 6 s | 54 |
| 3 | Inlay, Spielplan, Tableaus, Karten, Anleitung einlegen, vier Beutel befüllen | 10 × 4 s | 40 |
| 4 | Kartenhalter zusammenstecken | 2 × 5 s | 10 |
| 5 | Komplettieren und Kontrolle nach Stückliste | 3 × 12 s | 36 |
| 6 | Deckel aufsetzen, in den Versandkarton | 1 × 12 s | 12 |
| – | Greifen, Ausrichten, Weiterreichen | je Spiel | 30 |
| Summe | 202 | ||
Die Reihenfolge folgt einer einfachen Regel: Was später verdeckt wird, kommt zuerst. Das Inlay liegt unter dem Spielplan, die Beutel liegen in den Fächern, die Anleitung obenauf. Wer die Schachtel öffnet, sieht zuerst das, was er zum Spielen als Erstes braucht.
Was kostet das Beispielspiel und wie lange dauert die Serie?
Mit 202 Sekunden je Spiel ergeben sich für 10.000 Stück rund 561 Arbeitsstunden. Bewertet mit 16,50 € je Hallenstunde sind das 9.258 € Arbeit, also 0,93 € je Spiel. Transport hin und zurück für 12 Paletten aus rund 350 Kilometern kostet 1.516 €; alles zusammen landet bei 1,08 € je Spiel. Richtwerte 2026 – unverbindlich. Ihr konkretes Angebot erhalten Sie nach Anfrage und Muster.
Laufen das Abzählen und das Befüllen der Beutel zur Hälfte in Heimarbeit, sinkt die Arbeit auf 8.789 €. In Heimarbeit laufen nur einfache, wiederholbare Teilschritte wie das Abzählen von Kleinteilen oder einfache Steckverbindungen; Zusammenfügen, Endkontrolle und Verpackung erledigen wir immer in der Halle.
Zur Dauer: Mit 15 besetzten Plätzen in einer Achtstundenschicht ist die Serie in rund 5 Arbeitstagen fertig. Für Termine vor einer Messe lässt sich die Zahl der Plätze erhöhen; Engpass ist dann meist nicht die Konfektion, sondern das Eintreffen der letzten Komponente.
Wie gehen wir mit Sprachversionen und Messe-Vorserien um?
Viele Verlage produzieren eine Grundauflage und mehrere kleine Länderversionen – Deutsch für Deutschland und Österreich, dazu weitere Sprachen für Vertriebspartner. Für die Konfektionierung ändern sich dabei meist nur Anleitung, Kartensatz und Deckel. Wir behandeln jede Version wie einen eigenen Auftrag mit eigener Stücklistenposition, eigener Palette und eigener Freigabe. An der Station liegen niemals zwei Versionen gleichzeitig; der Wechsel erfolgt erst, wenn die vorherige Version vollständig kartoniert ist.
Messe-Vorserien von einigen Hundert Spielen konfektionieren wir oft aus Vorabdrucken, bevor die Hauptauflage fertig ist. Das ist sinnvoll, verlangt aber Disziplin: Die Vorserie bekommt eine eigene Freigabe, damit Änderungen danach nicht versehentlich in die Serie wandern. Welche Termine für Messe und Weihnachtsgeschäft realistisch sind, beschreibt der Ratgeber Zeitplan für saisonale Konfektionierung.
Welche typischen Fehler passieren bei Spielen – und wie beugen Sie vor?
| Fehler | Ursache | Vorbeugung |
|---|---|---|
| Ein Spielstein zu wenig | Farben gemischt angeliefert, Zählung per Hand | Spielsteine sortenrein je Farbe liefern, Zählwaage je Position |
| Falsche Anleitung im Spiel | zwei Sprachversionen gleichzeitig am Platz | eine Version je Station, getrennte Paletten, Kennzeichnung am Bündel |
| Deckel schließt nicht | Inlay zu hoch, Spielplan dicker als geplant | Erstmuster mit Serienkomponenten, nicht mit Andrucken |
| Eingedrückte Deckelecken | Schachteln aufgerichtet zu hoch gestapelt | Stapelhöhe in der Arbeitsanweisung, zügig kartonieren |
| Kartensatz unvollständig | Banderole beschädigt, Satz geöffnet | Sätze banderoliert anliefern, beschädigte Sätze aussondern |
| Serienstart verschiebt sich | Zubehör kommt als letzte Lieferung | Komponentenplan mit festem Liefertermin je Werk |
Fehlmengen und beschädigte Komponenten melden wir schon beim Wareneingang mit Zählung und Foto – vor dem Start der Serie; fehlerhafte Einzelteile sondern wir nach Ihrer Vorgabe aus und weisen sie im Lieferschein getrennt aus. Wie die Vollständigkeit bei Kleinteilen konkret gesichert wird, erläutert der Beitrag Vollständigkeit sichern.
Was prüfen wir am fertigen Spiel und was nicht?
Jedes Spiel wird vor dem Schließen gegen die Stückliste geprüft: Sind alle Positionen in der richtigen Menge da, liegt die richtige Sprachversion obenauf, schließt der Deckel sauber? Dazu kommt eine Zwischenkontrolle je 100 Stück am freigegebenen Referenzmuster. Spielzeugsicherheit, CE-Kennzeichnung und Normprüfungen prüfen wir nicht – diese Vorgaben machen Sie; wir prüfen Vollständigkeit nach Stückliste und die Funktion jeder Verbindung.
Spiele mit Mechanik oder Elektronik, bei denen eine Funktionsprüfung Teil der Endfertigung ist, gehören nicht zur Handkonfektionierung; dafür hat APOOL WERKE eine eigene Leistung auf apool.de.
Was ist bei Puzzles und Kartenspielen anders?
Puzzles und reine Kartenspiele sind in der Konfektion deutlich einfacher als ein Brettspiel. Beim Puzzle kommen die Teile bereits vereinzelt und im Beutel verschlossen von der Druckerei; bei uns werden nur Beutel, Beileger, gegebenenfalls ein Poster und die Schachtel zusammengeführt. Das sind wenige Handgriffe, und die Zeit je Stück liegt eher im Bereich einfacher Produkte. Kritisch ist dort vor allem die Zuordnung: Bei Serien mit mehreren Motiven muss der Beutel zum Deckel passen, und das lässt sich von außen oft nur an einer Artikelnummer erkennen. Wir arbeiten deshalb immer motivweise und prüfen die Nummer auf Beutel und Schachtel an der letzten Station.
Bei Kartenspielen besteht die Arbeit meist darin, banderolierte Kartensätze, Anleitung und gegebenenfalls einen Block oder Stift in eine kleine Schachtel oder eine Klappschachtel einzulegen. Hier entscheidet die Passform: Ist die Schachtel für den Kartensatz zu knapp bemessen, dauert jedes Einlegen doppelt so lange, und die Kanten der Karten leiden. Das zeigt sich zuverlässig schon am Erstmuster.
Wie starten Sie einen Spieleauftrag?
Schicken Sie uns die Stückliste mit Anlieferform je Komponente, ein fertiges Spiel oder Fotos davon und die geplanten Mengen je Sprachversion. Das Angebot mit Sekunden je Station liegt binnen 24 Stunden vor, das Erstmuster 2–5 Tage nach Eintreffen der Komponenten. Weitere Details zur Leistung finden Sie unter Spiele und Puzzles konfektionieren, zum Zählen der Kleinteile unter Abzählen von Kleinteilen. Für Rückfragen erreichen Sie Elisabeth Zachová unter +420 604 373 376.