Wenn Papier auf Kunststoff trifft, entscheiden nicht die Handgriffe, sondern der Umgang mit der Oberfläche über die Qualität: Folien laden sich statisch auf und ziehen Staub an, Klarsichtteile verkratzen beim Stapeln, und jeder Fingerabdruck bleibt im Sichtfenster sichtbar. Wir verarbeiten Fensterfolien und Tiefziehinlays deshalb mit Handschuhen, auf sauberen Flächen und aus geschützter Anlieferung. Ein Sichtfenster von Hand einzukleben dauert rund 15 Sekunden, beim Rechnersatz etwa 6,9 ct je Fenster (Richtwert – Angebot nach Anfrage und Muster). Dieser Beitrag erklärt, worauf es bei Folien, Fenstern und Inlays ankommt.
Wann wird ein Sichtfenster von Hand eingeklebt?
Bei großen Auflagen setzt der Faltschachtelhersteller Fenster meist schon in seiner eigenen Fertigung ein, die Schachtel kommt dann mit Fenster bei uns an. Von Hand kleben wir Fenster vor allem in drei Fällen ein: bei kleineren Serien, für die sich das Einrichten beim Hersteller nicht lohnt; bei Sonderformen, etwa runden oder gewölbten Fenstern und Fenstern in Mappen oder Schubern; und wenn das Fenster erst nachträglich dazukommt, weil sich Motiv oder Produkt geändert haben. In allen drei Fällen ist die Folie eine eigene Komponente mit eigener Zeile in der Stückliste.
Wie das Einkleben selbst abläuft, beschreibt die Seite Sichtfenster und Folien einkleben. Hier geht es um das, was vorher und nachher passiert.
Warum ist statische Aufladung bei Folien ein Problem?
Klarsichtfolien aus PET und ähnlichen Kunststoffen laden sich auf, sobald sie voneinander getrennt oder über eine Fläche gezogen werden. Die Folge: Die Folie zieht Staub und Papierfasern an, die sich zwischen Folie und Schachtel einschließen und von außen sichtbar bleiben. Zudem kleben aufgeladene Folien aneinander, und die Konfektionskraft greift zwei statt einer.
Was dagegen hilft:
- Folien in der Originalverpackung lassen, bis sie an der Station gebraucht werden, und nur so viele entnehmen wie nötig,
- Karton- und Folienkomponenten getrennt lagern, damit Papierstaub nicht auf die Folie gelangt,
- die Arbeitsfläche regelmäßig abwischen, vor allem bei Schachteln mit frischen Schnittkanten,
- antistatisch ausgerüstete Folie beim Lieferanten anfragen, wenn das Produkt hohe Ansprüche an die Sicht stellt.
Die letzte Maßnahme liegt bei Ihnen: Ob eine Folie antistatisch ausgerüstet ist, entscheidet ihr Hersteller. Welche Folien wir üblicherweise verarbeiten, finden Sie unter Folien und Sichtfenster.
Wie vermeiden wir Kratzer und Fingerabdrücke?
Kratzer entstehen fast immer beim Stapeln und beim Transport, selten bei der Konfektion selbst. Klarsichtinlays, die ohne Zwischenlage ineinander gestapelt angeliefert werden, reiben aneinander; ein Grat am Rand eines Spritzgussteils zieht eine Spur über jedes Fenster, an dem es vorbeigleitet. Fingerabdrücke dagegen entstehen an der Station, und dort setzen wir an:
| Problem | Ursache | Maßnahme bei uns | Vorgabe an den Lieferanten |
|---|---|---|---|
| Fingerabdrücke im Fenster | Folie mit bloßen Fingern berührt | Handschuhe an allen Stationen mit Folie | – |
| Staub unter der Folie | statische Aufladung, Papierstaub | getrennte Lagerung, saubere Fläche | antistatische Folie, staubfrei verpackt |
| Kratzer auf Klarsichtinlays | Stapeln ohne Zwischenlage | Entnahme einzeln, Ablage nicht übereinander | Zwischenlagen oder Schutzfolie |
| Blasen im Fenster | Folie von einer Seite angedrückt | Andrücken von der Mitte nach außen | Folie plan, nicht gerollt anliefern |
| Welliges Fenster | Folie zu dünn oder zu warm gelagert | Lagerung flach und kühl | Foliendicke passend zur Fenstergröße |
Bei den Handschuhen unterscheiden wir: Dünne Nitrilhandschuhe geben Griff auf glatten Folien und hinterlassen keine Fasern. Baumwollhandschuhe sind angenehmer bei langen Schichten, können aber Fasern abgeben und rutschen auf Folie. Welche Variante an welcher Station genutzt wird, steht in der Arbeitsanweisung und wird mit dem Erstmuster freigegeben.
Worauf kommt es bei Inlays aus Tiefziehfolie und Schaumstoff an?
Ein Inlay hält das Produkt in der Schachtel an seinem Platz und macht es durch das Fenster sichtbar. Damit das funktioniert, müssen drei Maße zusammenpassen: das Inlay zur Schachtel, das Produkt zum Inlay und das Fenster zur Position des Produkts. Liegt das Produkt zwei Millimeter zu tief, sieht der Kunde durch das Fenster vor allem Kunststoff.
- Tiefziehinlays aus PET oder Polystyrol kommen ineinandergestapelt an. Sie lassen sich schwer vereinzeln, wenn sie zu eng gestapelt sind – kleine Stapelnocken helfen erheblich.
- Schaumstoffeinlagen sind unempfindlich gegen Kratzer, geben aber nach. Ein Produkt, das zu stramm sitzt, drückt sich mit der Zeit ein und sitzt dann lose.
- Karteneinlagen sind günstig und lassen sich gut stecken, zeigen aber durch das Fenster eine andere Optik.
Mehr zu den Materialien lesen Sie unter Tiefzieh- und Schaumstoffeinlagen und im Lexikon unter Inlay.
Was kostet eine Schachtel mit Fenster und Inlay?
Ein Hersteller von Sammelfiguren aus Heidenheim lässt 8.000 Geschenkschachteln konfektionieren: Fenster einkleben, Schachtel aufrichten, Inlay und Figur einlegen, Kontrolle, schließen. Weil jede Station mit Folie etwas mehr Sorgfalt braucht, rechnen wir mit einem höheren Zuschlag für Greifen und Ablegen. Zum Vergleich dieselbe Schachtel, wenn das Fenster bereits vom Hersteller eingesetzt ist (Transport aus rund 330 Kilometern eingerechnet):
| Variante | Sekunden je Stück | Arbeit gesamt | je Schachtel, alles |
|---|---|---|---|
| Fenster von Hand bei uns | 72 | 2.640 € | 0,48 € |
| Fenster bereits eingesetzt angeliefert | 57 | 2.090 € | 0,41 € |
Richtwerte 2026 – unverbindlich. Ihr konkretes Angebot erhalten Sie nach Anfrage und Muster. Das Einkleben des Fensters macht bei diesem Produkt rund 0,07 € je Stück aus. Ob das günstiger ist als beim Hersteller, hängt von dessen Einrichtkosten und der Auflage ab – bei kleineren Serien und Sonderformen fast immer. Verpackungen mit Fenster und Inlay als eigene Leistung finden Sie unter Verpackungen mit Einsatz, Inlay und Sichtfenster.
Welches Klebemittel eignet sich für Folie auf Karton?
Für Fensterfolie auf Karton nutzen wir doppelseitiges Klebeband mit transparentem Träger oder transparente Klebepunkte an den Ecken. Dispersionskleber scheidet aus, weil Folie kein Wasser aufnimmt. Bei lackiertem oder folienkaschiertem Karton prüfen wir die Verbindung im Erstmuster besonders genau. Die Einzelheiten stehen im Beitrag Kleben von Hand.
Wie prüfen wir Produkte mit Fenster vor dem Versand?
Die Ausgangskontrolle bei Schachteln mit Fenster hat einen eigenen Blickwinkel: Geprüft wird von außen, so wie der Kunde im Regal die Schachtel sieht. Liegt das Produkt mittig im Fenster? Ist die Folie frei von Staub, Blasen und Abdrücken? Schließt der Deckel, ohne auf die Folie zu drücken? Stichprobenweise kippen wir fertige Schachteln, um zu sehen, ob das Produkt im Inlay verrutscht. Beim Kartonieren achten wir darauf, dass Fensterseiten nicht an Kanten anderer Schachteln reiben.
Wie sollten Folien und Inlays angeliefert werden?
- Folien flach, in geschlossener Verpackung, mit Angabe von Material und Dicke.
- Inlays mit Zwischenlagen oder Schutzfolie, gestapelt in einer Richtung, nicht quer.
- Kartonteile getrennt von Folienteilen, auf eigenen Paletten.
- Einige Teile für Erstmuster und Tests extra, damit Serienteile nicht angebrochen werden müssen.
Fehlmengen und beschädigte Komponenten melden wir schon beim Wareneingang mit Zählung und Foto – vor dem Start der Serie; fehlerhafte Einzelteile sondern wir nach Ihrer Vorgabe aus und weisen sie im Lieferschein getrennt aus. Das Erstmuster steht 2–5 Tage nach Eintreffen aller Komponenten, mit Fotos aus dem Blickwinkel des Endkunden – also durch das Fenster. Für Rückfragen zu Ihrem Material erreichen Sie Elisabeth Zachová unter +420 604 373 376.